Hydraulischer Abgleich. Chronologie, Auswirkung.<

Chronologie des Hydraulischen Abgleichs.

Der Anfang

Alles fing in den fünfziger bis sechziger Jahren an. Gebäude wurden nicht mehr mit Öfen bestückt, sondern mit Zentralheizungen. Umwälzpumpen standen am Anfang der Entwicklung und wurden bis ca. 1967 nur selten eingebaut.

Schwerkraftheizung

Die Heizungshydraulik, also der Wasserumtrieb, entstand über Schwerkraft. Viele Leute werden noch Heizungen aus diesen Zeiten kennen. Merkmal: große Gussheizkörper an den Innenseiten der Wohnungswände. Die Anschlüsse, Vor- und Rücklauf in 1 – 11/4 Zoll, die Verteilleitungen selbst in Etagenheizungen bis DN 80, also 8,9 cm Durchmesser.

Der Schwerkraftumtrieb betrug nur einen Bruchteil der heutigen Pumpenleistungen (Schwerkraftumtrieb: warmes Wasser ist leichter als ausgekühltes Wasser, die Wasserauskühlung im Heizkörper erzeugt einen Gewichtsunterschied und somit durch die Auskühlung eine Wasserbewegung, den Schwerkraftumtrieb).

Beispiel: der Schwerkraftumtriebsdruck betrug in diesen Heizungen, in Abhängigkeit des Temperaturunterschieds, ca. 100 – 500 Pascal. Das sind in m umgerechnet 0,01 – 0,05m. Heutige Umwälzpumpen fangen erst bei 1m Pumpendruck an.

Auch zu der Zeit galt für die Wasserverteilung, der leichteste Weg zuerst.

Es war schon damals eine wichtige Voraussetzung für eine korrekte Wasserverteilung auf die Heizkörper, diese Wassermengen zu regulieren. Günstig gelegene Heizkörper wurden im Wassermengendurchfluss durch Ventilvoreinstellungen (Ventilvoreinstellungen gab es schon in den 50ger Jahren) gedrosselt, um damit ungünstig gelegenen Heizkörper die durch die Heizlastberechnung errechnete Heizleistung zukommen zu lassen. Auch damals wurde die Wasserverteilung bewusst angepasst. Heute nennt es sich modern hydraulischer Abgleich.

Überflüssige Wassermengenanpassung durch Umwälzpumpen???

Mit dem Aufkommen von Umwälzpumpen verlor die gesteuerte Wassermengenverteilung in Heizungsanlagen an Bedeutung, leider zu Unrecht.

In den Folgejahren wurden immer mehr Heizkörperventile ohne Voreinstellung installiert, das war in kleinen Heizungsanlagen meist kein Problem, in Großanlagen war das Problem deutlich gegeben. Häufig reichte auch ein extrem hoher Pumpendruck (10m oder sogar mehr) nicht aus, um die letzten Heizkörper eines Heizungskreislaufs mit ausreichend Heizungswasser zu versorgen (Beispiel: Wohnanlagen, Schulen, Bürogebäude). Häufige Abhilfe: Hochstellen der Heizungsregelung, Einbau noch größerer Umwälzpumpen. Die Folge: die Thermostate in den vorderen Heizkörpern verringerten die Wassermengen, weil die Raumtemperatur schnell erreicht wird, danach wurden die letzten Heizkörper versorgt. Hydraulischer Abgleich auf Umwegen mit der Folge eines stark erhöhten Heizenergieverbrauchs. Es hat sich gezeigt, dass der Hydraulische Abgleich und damit in Verbindung auch das korrekte Einstellen der Heizungsregelung in Großanlagen ein ganz erhebliches Einsparpotenzial hat.

Auswirkung des hydraulischen Abgleichs.

Der Hydraulische Abgleich aus heutiger Sicht soll drei Funktionen in der Heizungsanlage verbessern.

  1. Er soll die Wasserverteilung nach dem Wärmebedarf des Raums, in dem der Heizkörper steht, einstellen. Die Bedeutung dieser Verteilung kann eingeteilt werden in Gebäudegrößen. Je größer das Gebäude ist, um so wichtiger ist die kontrollierte Wasserverteilung.
  2. Der Hydraulische Abgleich spart Heizenergie? Der Einspareffekt muss in zwei Kategorien eingeteilt werden.
    1. Der direkte Spareffekt wirkt sich bei Brennwertgeräten mit ca. 3 – 6% aus. Grund, durch den Abgleich wird die Rücklauftemperatur gesenkt und somit der Brennwerteffekt verbessert.
    2. Der indirekte Einspareffekt kann sich insbesondere in großen Gebäuden bis 30% auswirken. Verstellte Heizungsregelungen und Kesselfolgeschaltungen können wieder auf eine energiesparende Einstellung zurückgestellt werden. Warum sie in Großanlagen verstellt wurden in einem anderen Blog.
  3. Der Hydraulische Abgleich soll Fließgeräusche verringern. Das würde ich in vielen Fällen nicht bestätigen. Voreinstellbare Heizkörperventile reagieren sehr empfindlich auf zu hohe Pumpendrücke. Mit Pumpendrücken haben Installateure häufig Probleme.

Beispiel

1983 bekam ich den Auftrag, in einem Wohngebiet in mehreren Wohnanlagen ca. 6000 neue Heizkörperventile einzubauen. Grund, es griff die Vorschrift, in vermieteten Wohngebäuden Wärmemengenzähler am Heizkörper anzubringen und Thermostatventile einzubauen. In Zusammenarbeit mit der Fa. MNG haben wir Ventile mit Voreinstellung in Kegelform, durch die die Wassermenge kontrolliert begrenzt wurde, gewählt. Ich habe meine Monteure angewiesen, die Ventile in größeren Räumen mit mehr Wasserdurchlass, Kegel 4 einzubauen, in kleinen Räumen Ventile mit wenig Wasserdurchlass Kegel 2 oder 3 einzubauen.  Es kamen in der Folgezeit keine Beschwerden wegen Unterbeheizung.

Damals haben wir es Voreinstellen der Heizung genannt, heute würde man „Hydraulischer Abgleich Verfahren a“ sagen.

Die Auswirkung dieses Umbaus als Beispiel eine der Wohnanlagen mit ca. 70 Wohneinheiten. In dieser Wohnanlage beträgt der Abstand  von der Heizzentrale bis zum letzten Gebäude ca. 400m. Kesselanlage: 2 Gaskessel mit je 600Kw Heizleistung, 2 Sockelpumpen mit je 1200W Stromaufnahme und weil diese Pumpen vor dem Umbau nicht ausreichten, wurde nach 300m noch eine Folgepumpe mit 400W eingebaut. Solche Verzweiflungstaten sind fachlich nicht kompetent.

Nach dem Ventilumbau habe ich in Absprache mit dem Auftraggeber einen der beiden Heizkessel abgeschaltet und aus dem Kreislauf genommen. Die Sockelpumpen komplett abgeschaltet und die Folgepumpe als Hauptpumpe in der Heizzentrale einbauen lassen. Die Auswirkung war beträchtlich.

  1. Es kamen keine Beschwerden wegen mangelhafter Wärme in den hinteren Wohnungen mehr.
  2. Die Kesselstilllegung wirkte sich mit ca. 40% Gasersparnis aus.
  3. Der Pumpenumbau wirkt sich bei einer Jahreslaufzeit von 6500 Std. mit einer Stromreduzierung von 15600 kWh auf 2600 kWh aus.

Das als Folge der geplanten Ventilvoreinstellung.

Der Hydraulische Abgleich ist also nicht nur eine Sache sein, die die Installateure ärgern soll nein der Abgleich macht Sinn insbesondere in großen Gebäuden.

Ihr Bernd Wulfestieg

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