Hydraulischer Abgleich ist gerechnet, was kommt dann? Durchführung vor Ort.<

Die Berechnung ist gemacht, nun muss der Abgleich in der Heizungsanlage umgesetzt werden.

Es reicht ja nicht nur das Rechnen, es müssen auch die Ventilvoreinstellungen in der abzugleichenden Anlage umgesetzt werden, Die Umwälzpumpe muss auf den vorgegebenen Pumpendruck eingestellt werden. Die Heizkurve muss auf die vorgegebene Einstellung gestellt werden. Bei meinen vielen Gebäudebegehungen in der Region Hannover für die Klimaschutzagentur Hannover habe ich festgestellt, dass 40% der geförderten Abgleiche nicht in die Praxis umgesetzt wurden. Es wurden die Ventile eingebaut, aber die entscheidenden Einstellungen wurden nicht durchgeführt.

Warum wurde nicht Umgesetzt

Angst vor Reklamationen, Unkenntnis der Auswirkungen in der Heizungshydraulik, schlechte Erfahrungen. Das könnte die Ursache für die „vergessene“ Umsetzung sein. Viele Installateure sind bei der Heizungsanlagenhydraulik unsicher. Es fehlt das Gefühl für den Wasserumlauf mit seinen vielfältigen Besonderheiten. Das beinhaltet auch die Unsicherheit bei der Durchführung des hydraulischen Abgleichs. Viele Installateure haben sich schon versucht und haben Reklamationen wegen zum Beispiel Geräuschen bekommen. Geräusche als wichtigstes Argument der Installateure, die Heizungen nicht hydraulisch abzugleichen, sind auf Fehler bei der Pumpeneinstellung zurückzuführen.

Umsetzung des hydaulischen Abgleichs in der Heizungsanlage

Auswahl der Ventile

Welche Ventilbauart ist die beste für die abzugleichende Anlage? Diese Auswahl muss sorfältig getroffen werden.

Bilddokumentation

In der folgenden Bilddokumentation zeige ich anhand meiner Testwand, wie sich die Wassermengen bei den unterschiedlichen Pumpendrücken verhalten.

DifferenzdruckABhängige Ventile

Die Betonung liegt auf den Buchstaben AB oder die andere Bauart DifferenzdruckUNABhängige Ventile. 

Zuerst die differenzdruckabhängigen Ventile. Differenzdruckabhängig bedeutet, die durchfließende Wassermenge durch das Ventil verändert sich mit dem Pumpendruck. Im Bild Voreinstellung 3.

Ventileinstellung

Kritische Anmerkung.

Bei dem Beispielventil im Bild oben sind die einzustellenden Zahlen sehr eng beieinander und sie heben sich nicht von der Oberfläche ab. Der Strich, auf dem die berechnete Zahl stehen soll, ist fast unsichtbar. Der Hersteller, der diese Ventileinstellkulisse produziert, sollte sich in die Situation des Installateurs versetzen. Ein korrektes Einstellen würde ich als fast unmöglich bezeichnen. Eine Schwärzung der Zahlen und eine vergrößerte Schwärzung der Einstellmarkierung würde viel dazu beitragen,  dass eine korrekte Einstellung durchgeführt werden kann. Das Problem ist nicht nur bei einem Hersteller zu finden.

Auswirkung unterschidlicher Pumpendrücke

Bei der Voreinstellung 3 (im Bild) und Pumpendruck 1m  fließen 69 l Wasser die Stunde geräuschfrei durch das Ventil. (Bilder unten, Pumpendruck in den Pumpenbildern im Fach oben links)

Bei einem Pumpendruck von 3m fließen  l25 l Wasser die Stunde mit deutlichen Fließgeräuschen durch das Ventil. Damit wurde die berechnete Heizleistung nahezu verdoppelt.(Bilder unten)

Beispiel 2 DifferenzdruckUNABhängige Ventile

Die Werbung: Automatischer Hydraulischer Abgleich????

Die Hersteller bringen einen Werbeslogan an die Öffentlichkeit. Automatischer Hydraulischer Abgleich für die differenzdruckUNABhängigen Ventile. Dieser irreführende Werbespruch suggeriert, dass nur noch diese Ventile eingebaut werden müssen und somit ist die Heizungsanlage abgeglichen. Dieser Werbespruch bezieht sich ausschließlich auf die sowieso unnötige Rohrnetzberechnung, Blog Hydraulischer Abgleich. die bei der Nutzung dieser Ventilart nicht mehr durchgeführt werden muss.  Es muss immer die Raumheizlast berechnet werden, egal für welche Berechnungsart.

Beispiel DifferenzdruckUNABhängige Ventile.

DSCN4752

In dem Beispielbild ist von außen kein großer Unterschied zu den differenzdruckabhängigen Ventilen zu sehen. Ein Anhaltspunkt, der Einstellbereich ist deutlich größer.

Kritische Anmerkung

Wenn man genau hinsieht, steht das Ventil auf Voreinstellung 6. Auf dem Kopf steht *10. Das bedeutet, bei Einstellung 6 müssen 60 l die Stunde durch das Ventil fließen. In der Bilddokumentation sind es aber nur ca. 40 l die Stunde. Bei dieser Einstellung wird die berechnete Heizleistung nicht erreicht. Bei dem Test der am Markt befindlichen differenzdruckUNABhängigen Ventile finden sich bei allen Ventilen deutliche Abweichungen nach unten aber auch nach oben. Die getesteten Ventile wurden Ende 2016 gekauft. Ich hoffe, die Hersteller haben diese Abweichungen heute im Griff. Anfang 2018 werde ich neue Ventile testen in der Hoffnung, dass diese Ungenauigkeiten behoben sind.

Bei der Berechnung des Abgleichs mit dem WEKA Programm werden die gemessenen Wasserdurchflüsse und nicht die Wasserdurchflussangaben der Hersteller berücksichtigt. Der Installateur kann auswählen, welche er haben möchte.

Fotodokumentation der DifferenzdruckUNABhängigen Ventile

Die Messung des Wasserdurchflusses beträgt bei Ventileinstellung 6 und 1,5 m Pumpendruck 38 l die Stunde. Bilder. Keine Fließgeräusche.

Die Messung des Wasserdurchflusses beträgt bei Ventileinstellung 6 und 3,5 m Pumpendruck 42 l die Stunde. Bilder. Geringe Fließgeräusche. Die Differenz von 4 l die Stunde spielen im Hydraulischen Abgleich nur eine untergeordnete Rolle.

 In welcher Anlage sollte welche Ventilart eingebaut werden?

DifferenzdruckABhängige Ventile.

Differenzdruckabhängige Ventile, also Ventile der alten Bauart. Sie sollten in den Anlagen eingebaut werden, in denen die Heizungspumpen auf den vom Berechnungsprogramm vorgegebenen Pumpendruck eingestellt werden kann. Also Anlagen mit Pumpen, die problemlos einstellbar sind. Es muss sehr genau darauf geachtet werden, dass die Pumpe auf der Stellung Differenzdruckkonstant eingestellt ist. In der Pumpendarstellung das zweite Piktogramm von links. Andere Pumpeneinstellungen wie zum Beispiel Auto Adapt, Durchflussmengengesteuerter Differenzdruck usw, verbieten sich für die differenzdruckabhängigen Ventile.

Die meisten Bemängelungen von Kunden sind auf falsche Pumpeneinstellungen zurückzuführen.

DifferenzdruckUNABhängige Ventile.

Differenzdruckunabhängige Ventile, also Ventile der neuen Bauart. Sie können in allen Anlagen eingesetzt werden, in denen der Pumpendruck über 1,5 m eingestellt werden kann.

Diese Ventile sind ein MUSS in Anlagen, in denen der Pumpendruck nicht konstant gehalten werden kann. Dazu gehören

  1.  Anlagen mit geräteinternen Umwälzpumpen wie z.B. wandhängende Brennwertheizgeräte. bodenstehende Brennwertheizgeräte für kleinere Bauten.
  2. Anlagen, in denen die Heizungspumpen nicht auf differenzdruckgesteuerte Umwälzpumpen umgestellt werden können. Zum Beispiel beim Nachrüsten des hydraulischen Abgleichs.

Differenzdruckunabhängige Ventile sind pro Ventil ca. 4,00 € teurer.

Ihr Bernd Wulfestieg

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