Geht beim Hydraulischen Abgleich noch etwas? Abgleich über die Rücklaufverschraubung.<

Der Hydraulische Abgleich über voreinstellbare Rücklaufverschraubungen.

Dem Wasserdurchfluss durch den Heizkörper ist es egal, ob er oben am Vorlauf oder unten am Rücklauf eingeschränkt wird.

HK Rücklauf

Funktion der Verschraubung.

Bei voreinstellbaren Rücklaufverschraubungen der Markenhersteller Honeywell (MNG), Heimeier, Oventrop, Danfoss usw gibt es eine Sicherheitsfunktion und zwei Einstellfunktionen.

  1. Abschrauben der Schutzhaube. Im Normalfall kann die Schutzhaube ohne Risiko abgeschraubt werden. Es kommt beim Abschrauben kein Wasser heraus.
  2. Die Funktion des Zudrehens und der Voreinstellung  der Verschraubung. Meist wird mit einem 6 mm Imbusschlüssel die innere Spindel zum Öffnen, Schließen oder  Voreinstellen betätigt.
  3. Funktion 2,  Bedienung mit einem größeren Imbusschlüssel oder einem breiten Schlitzschraubendreher wird ein äußerer Ring als Fixierung der inneren Einstellung genutzt.

RV

Wie wird eingestellt?

Die Voreinstellung funktioniert wie folgt.

  1. Die Schutzkappe wird abgeschraubt.
  2. Die innere Spindel wird bis zum Anschlag zugeschraubt. Danach nach Angaben des Hersteller Diagramms (Bild) eingestellt. Beispiel 2 m Pumpendruck. (Als Leser sehen Sie, dass ich immer wieder auf den Pumpendruck eingehe) Fließen durch eine Beispielverschraubung wenn die innere Spindel eine halbe Umdrehung zurückgeschraubt wird, ca. 80 Liter die Stunde.
  3. Nach der erfolgten Voreinstellung wird der äußere Ring fest, als Fixierung der Voreinstellung, auf den inneren Ring geschraubt.
  4. Da eine Voreinstellung (Hydraulischer Abgleich) bei sehr vielen Installateuren nicht bekannt ist, muss sichergestellt werden, durch Kennzeichnung und – oder Dokumentation, dass auch noch nach einigen Jahren erkennbar ist, diese Anlage ist über die Rücklaufverschraubungen abgeglichen.

Wo macht eine Voreinstellung über Rücklaufverschraubungen sinn?

Ziel sind nicht die kleineren Gebäude, obwohl es da natürlich auch funktioniert. (In dem Programm „vereinfachter Hydraulischer Abgleich“ werden in einem der nächsten Updates die Rücklaufverschraubung aufgenommen.) Ziel sind eher große Gebäude, bei denen schon in der Neubauzeit voreinstellbare Rücklaufverschraubungen eingesetzt wurden.

In den 70ger Jahren hatten die Kunden die Auswahl zwischen nicht abstellbaren Rücklaufverschraubungen und teureren voreinstellbar- abstellbaren Rücklaufverschraubungen. Diese wurden meist in Wohnanlagen und kommunalen Gebäuden eingesetzt. Meine Nachfrage bei dem Hersteller MNG (heute Honeywell) ob es für diese Verschraubungen noch Datenblätter gibt, wurde positiv beantwortet.

RV Daten

Vorteile.

Es ist somit möglich, in alten Anlagen für sehr geringe Kosten, ohne Austausch der Heizkörperventile, ohne Ablassen des Heizungswassers einen hydraulischen Abgleich durchzuführen. Voraussetzung: es sind voreinstellbare Rücklaufverschraubungen vorhanden.

Ein weiterer deutlicher Vorteil, die Geräuschentwicklung in den Verschraubungen sind auch bei Voreinstellung sehr gering.

 

Beispiel

1990 bekam ich mit meiner Fa. die Anfrage, einer Schule in der Region Hannover. Die Kommune beklagte, dass der Gasverbrauch sehr hoch ist. Bei meiner Ortsbesichtigung stellte ich fest, dass die vorhandenen beiden Heizkessel auf 85°C standen und die Brenner die Temperatur immer wieder nachgeladen haben. Der Hausmeister rauchte, das gab mir die Möglichkeit, festzustellen, ob die Brennerklappen nach Abschalten geschlossen wurden um die Wärmeentsorgung durch den Heizkessel zu prüfen. Ich ließ mir seine Zigarette geben und hielt sie bei abgeschaltetem Brenner unter den Brenner. Der Zigarettenqualm wurde sofort durch den Brenner angezogen. Damit ergaben sich auch erhebliche Stillstandsverluste, die noch verstärkt wurden durch geringe Brennerlaufzeiten.

Die Heizkurven waren sehr hoch eingestellt. Bei 12°C Außentemperatur wurden 72°C im Vorlauf vorgehalten. Die Rücklauftemperatur betrug auch noch 67°C.

Die stufeneinstellbare Doppelpumpe (zwei Pumpen) stand auf Stufe 3.   Der Hausmeister sagte mir, dass in einigen Räumen keine Wärme ankam und er die Verstellung der Regelung und Pumpe vorgenommen habe, um die Räume zu beheizen.

Ich besichtigte die Räume und stellte fest, dass in Räumen mit 2 oder 3 Heizkörpern nur 1 Heizkörper angestellt war (es waren auch Fließgeräusche hörbar). Daraus resultierte die geringe Temperaturdifferenz vom Vorlauf zum Rücklauf. Wie im Blog Stillstandsverluste beschrieben, war die Problematik die Wasserverteilung.

In der Schule aus dem Jahr 1981 waren schon voreinstellbare Rücklaufverschraubungen verbaut.

Abhilfe

Zuerst musste etwas mit der Wasserverteilung in den Heizkörpern getan werden. Ich schickte meinen Kundendienstmonteur in die Anlage, damit er  eine Voreinstellung der Rücklaufverschraubungen vornahm. Alle Verschraubungen auf eine 3/4 Öffnung.

Den Brennermonteur der Fa. Körting wurde für die Überprüfung der Brennerklappen zur Hilfe gerufen. Beide Klappen waren im abgeschalteten Zustand geöffnet. Das wurde von der Herstellerfirma Körting behoben, so dass bei abgeschaltetem Brenner keine Wärme mehr durch den Schornstein abgetragen werden konnte.

Danach habe ich die Kesselregelung und die Kesselfolgeschaltung neu eingestellt, die Doppelpumpenregelung so eingestellt, dass nur eine Pumpe mit Stufe 2 betrieben wurde. Stromeinsparung ca. 3100 kWh im Jahr.

Die Heizkörper wurden danach alle wie gebraucht warm, in den Räumen mit mehreren Heizkörpern mussten alle Heizkörper betrieben werden. Die Temperaturdifferenz fiel auf ca. 15°C. Irgendwann Später sagte mir der Hausmeister das sich der Energieverbrauch erheblich reduziert hat.

Ihr Bernd Wulfestieg

Veröffentlichen oder anderer Gebrauch der Texte in Gänze oder in Ausschnitten nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors. Der Text ist geistiges Eigentum des Autors.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen