Anfänge und Entwicklung der Zentralheizungen.

Zentralheizungen wurden ab der Jahrhundertwende 1900 in Häusern gut betuchter Eigentümer eingebaut. Der Sicherheitsstand war herausfordernd. Rohre wurden schon gedämmt, mit Asbestschnüren. Die Wärmeerzeuger, Heizkessel, brauchten noch den Beruf eines Heizers. Die Heizkörper, Gussheizkörper, waren nach heutigen Maßstäben groß und nur sehr schwer zu installieren. Häufig wurden Rippenrohre als Heizkörper eingesetzt.

Rippenrohre

Zentralheizungskessel wurden entweder mit Kohle und, wenns modern war, mit Stadtgas (heute Biogas) beheizt. Größere Anlagen hatten schon eine Ölheizung.

Beispiel.

Alte Kesselanlage

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Erklärung zu den Heizkesseln: Die drei Heizkessel konnten zu der Zeit alternativ mit Kohle oder wie im Bild mit Öl beheizt werden. 25% der erzeugten Wärme wurden maximal den Wohnungen zur Verfügung gestellt. Warmwasser wurde in der Anlage dezentral erzeugt, trotzdem wurden die Kessel jahresdurchgängig mit 80°C beheizt. Im Zuge des Umbaus 2002 auf Fernheizung wurde diese Anlage als eine der Ersten nach der Optimus Studie hydraulisch abgeglichen.

Wie war es bis in die 1960ger Jahre in den meisten Wohnungen?

Die Gebäude oder auch Wohnungen des bürgerlichen Mittelstands wurden in ausgesuchten Zimmern mit Einzelöfen erwärmt.

Noch heute schwärmen viele Menschen von der tollen Wärme dieser Einzelöfen, Kachelöfen, stinkende Ölöfen, schmutzige Kohle- und Holzöfen. Wie viele Menschen durch hohen CO Eintrag in die Wohnräume ums Leben kamen, daran denken wenige.

Wie sahen die Zentralheizungen ab den 1960ger Jahren aus?

Umwälzpumpen waren in der Technik erst am Anfang. Ausdehnungsgefäße befanden sich noch offen auf Dachböden und waren dem Winterfrost ausgesetzt. Es gab in Wintern viele Heizungsanlagen, in denen wegen eingefrorener Ausdehnungsgefäße Heizkörper oder Rohre geplatzt sind. Die ständige Sauerstoffzufuhr durch offene Ausdehnungsgefäße führte häufig zu Durchrostungen der Heizungsrohre und Heizkörper. Wenn Umwälzpumpen eingesetzt wurden, stieg das Risiko der Durchrostungen um ein Vielfaches. Die Pumpen durchströmten auch die offenen Ausdehnungsgefäße und trugen damit permanent aggressiven Sauerstoff in die Heizungsanlagen ein.

Alte Pumpen

1963 wurden Radiatoren nach auch heute noch geltender DIN in Stahl und Guss gebaut und eingesetzt. In den 80ger Jahren wurden immer mehr Plattenheizkörper 1 – bis 3 lagig installiert.

Heizungswasser wurde durch groß dimensionierte Rohre

zu Anfang der Zentralheizung auf die Heizkörper verteilt. Beispiel: die Rohrdimensionen bei Etagenheizungen mit sechs Heizkörpern lagen bei Rohrdurchmessern 25mm am Heizkörper und 60mm in der Verteilleitung. Die Beförderung des warmen Heizungswassers erfolgte über Schwerkraftumtrieb. Der Schwerkraftumtrieb resultierte aus dem Gewichtsunterschied zwischen kaltem Rücklaufwasser und warmem Vorlaufwasser. Der nicht mit Umwälzpumpen vergleichbare Druck (Umtriebsdruck) betrug ca. 1 – 10 mbar. Umwälzpumpen fangen erst bei 100 mbar an, das Heizungswasser zu bewegen. Die Wasserverteilung musste schon zu früheren Zeiten durch voreinstellbare Heizkörperventile gesteuert werden. (Hydraulischer Abgleich schon in den Anfängen der zentralen Heizungsanlagen).

HK Ventil Alt

Heizungsrohre in kleineren Heizungsanlagen wurden durch immer leistungsstärkere Umwälzpumpen im Durchmesser dünner.  Wenn in den 60ger Jahren Rohrdurchmesser von 25mm am Heizkörper gebraucht wurden, sind durch die Umwälzpumpen nur noch 10mm erforderlich.

Dampfheizungen

Nicht vergessen werden dürfen die damals noch aktuellen Dampfheizungen für Industriegebäude, Verwaltungsgebäude usw. Die Technik war faszinierend und etwas ganz Anderes als normale Heizungsanlagen. Es hat Spaß gemacht, diese Technik in den 60ger und 70ger Jahren zu betreuen.

Berufsbild Heizungsbauer

Der Ausbildungsberuf Heizungsmonteur hatte zu der Zeit bis in die 80ger Jahre eine fordernde, theoretische Ausbildung. Da sind mathematische Grundlagen, Rohrnetzberechnung mit anhängiger Hydraulik, Heizlastberechnungen mit Berechnung der Raumheizlast, K Zahlberechnung (heute U Wert), Heizkörperauslegung. Berechnung der Ausdehnung einzelner Stoffe und sehr viel mehr. Handwerkliche Grundlage waren das Verlegen der Stahlheizungsrohre mit perfektem Autogenschweißen, Montage und Einstellen der Heizkessel,  Montage und Voreinstellen der Heizkörper.

In den 73ger Jahren wurden vermehrt Gaskessel und Gasheizthermen von Vaillant und Junkers  eingebaut. Zu der Zeit wurden in Heizungsbaufirmen der Kundendienst aufgebaut, der sich kontinuierlich mit dem Wachsen der Technik fortentwickelt. Leider ist mit der Zusammenlegung der Berufe Heizungsbauer und Sanitärinstallateur die weitgehende Ausbildung im Heizungsbereich und Kundendienstbereich größtenteils verlorengegangen.

Das heutige Berufsbild Anlagenmechaniker

ist der Ausbildung der Auftragslage der Installationsbetriebe angepasst. Das sind 80% sanitärlastige Arbeiten und 20% heizungslastige Arbeiten. Wie soll ein sogenannter Anlagenmechaniker die gesamten Anforderungen dieses Berufsbildes erfüllen? Er muss Trinkwasservorschriften verstehen und umsetzen können, Heizungs und Sanitäranlagen nach Vorschrift verlegen, er muss Klempnerarbeiten (Dachrinnen verlegen) durchführen können, er muss Heizungshydraulik verstehen, er muss Heizungsregeltechnik verstehen, er muss Elektroarbeiten verstehen und vieles mehr.

Wünschenswert in der Ausbildung

wäre eine detaillierte und  als Berufsbild zertifizierte Zusatzausbildung mit geschütztem Namen als z.B. Kundendiensttechniker Heizung. Die Meisterprüfung sollte getrennt nach Sanitär- und Heizungsbaumeister mit entsprechender Sachausbildung in der Theorie und Praxis durchgeführt werden. Die Heizungstechnik war nie so einfach, wie es von vielen Sanitärbetrieben gesehen wird und ist heute ein qualitativ fordernder Beruf, insbesondere was den Kundendienst betrifft.

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Sachverständigen- und Energieberatungsbüro Bernd Wulfestieg

Sachverständiger im Installateur – und Heizungsbauerhandwerk, Heizungsbau-und Sanitärmeister, Zertifizierter Energieberater HWK, Autor von Fachbüchern, Fachliteratur und Software.

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