Einrohrheizungen

Was sind Einrohrheizungen?

Einrohrheizungen sind Heizungen, bei denen der Heizkörpervorlauf und der Heizkörperrücklauf an einer Grundleitung angeschlossen sind. Besonderes Merkmal: die in der Reihenfolge hinteren Heizkörper bekommen das ausgekühlte Mischwasser der vorherigen Heizkörpers als Vorlaufwasser. Aus dem Grund müssen diese immer mit anderer Auslegungstemperatur berechnet worden sein, leider ist das nicht immer durchgeführt worden.

Einrohrheizung 1

Bei Zweirohrheizungen (heutiger Standard) haben Vor- und Rücklauf getrennte, also eigene Leitungen. Vorlauf vom Kessel zum Heizkörper, Rücklauf vom Heizkörper zum Kessel.

Hydraulik Abgleich

Probleme, Vor- und Nachteile von Einrohrheizungen.

Das Problem mit Einrohrheizung besteht darin, insbesondere im Bereich der Mehrfamilienhäuser, das weit von der Heizungspumpe entfernte Heizkörper keine Wärme mehr abbekommen.

Ursache: die Einrohrheizstränge wirken wie Überströmungen ohne Widerstand. Dabei gehen in einem Beispielgebäude ca. 2000 – 3000 l Wasser die Stunde bei 4m Pumpendruck durch die Einrohrleitung einer Beispielwohnung. (Bild)

Einrohrheizung 1

Die Wasserumlaufmenge kann nicht durch Heizkörperventileinstellungen gemindert werden. Wird am Heizkörper weniger Wasser abgenommen, fließt das Wasser vermehrt am Heizkörper vorbei. Das Wasser fließt immer in annähernd gleicher Menge durch das Rohrsystem. (Bild).

Zum Vergleich: die gleiche Wohnung mit hydraulisch abgeglichenem System und Zweirohrheizung braucht bei gleicher Heizleistung ca. 200l Wasserumlauf die Stunde.

Beispielswohnanlage.

In einer Wohnanlage mit 40 Wohnungen sind das bei nicht abgeglichenen Einrohrheizungen 8000l Wasser die Stunde. Es müsste eine Pumpe mit einer Pumpenleistung bei ca. 4m Pumpendruck 80m³ Wasser in der Stunde umwälzt, eingesetzt werden. In solchen Wohnanlagen werden in der Regel Pumpen eingesetzt, die maximal ca. 60m³ Wasser umwälzen. In dem Fall nehmen die vorderen Wohnungen den Wohnungen am Ende des Rohrsystems die benötigte Wassermenge weg. In diesen Wohnungen werden Heizkörper nicht mehr ausreichend mit Heizungswasser versorgt. Häufige Ursache für zu kleine Pumpen, die Berechnung der Pumpenleistung wurde auf Grundlage der Heizlast durchgeführt. Es wurde nicht berücksichtigt, dass ein Einrohrsystem andere hydraulische Anforderungen hat wie eine Standardheizung mit Zweirohrsystem.

Beispielzeichnung

Einrohrheizung 2

Zum Vergleich: In derselben Wohnanlage mit Zweirohrheizung, 40 Wohnungen, mit hydraulisch abgeglichen Heizkörpern müssen 8m³ Wasser, bei einem Pumpendruck von 2m in der Stunde umgewälzt werden.

Kosten und Umweltvergleich Einrohrsystem mit Zweirohrsystem, Strom- und Heizenergieeinsatz.

Pumpe für die Einrohrheizung.

Investitionskosten Pumpe, Beispiel Wilo Stratos 80 Hocheffizienz ca. 2.500€ ohne Montage.

Stromverbrauch, Stromkosten trotz Hocheffizienz ca. 18.000kWh und ca. 2.250€.            Ca. 9000 Kg CO2 Eintrag im Jahr. Nicht hocheffizient wie die meisten Pumpen in diesen Anlagen könnten die Zahlen verdoppeln bis verdreifachen.

Pumpe für die Zweirohrheizung.

Investitionskosten Beispiel Wilo Stratos 32 Hocheffizienzpumpe ca. 800€, Stromverbrauch ca. 3.000 kWh, Stromkosten 150 € und 1.500 Kg CO2 Eintrag im Jahr.

Wie aus der überschlägigen Berechnung hervorgeht, besteht im Strombereich eine hohe Kosten- und Umweltdifferenz.

Einsparpotenzial Brennstoff Zweirohr – zu Einrohrheizung.

Die Differenz im Brennstoffverbrauch Einrohr- zu Zweirohrheizung beträgt bei Brennwerttechnik ca. 5 – 10%. Die nicht direkt zuzuordnenden Einsparungen durch Versorgungsprobleme mit Wärme in den Einrohrheizungen und dadurch meist resultierenden deutlich erhöhten Regelungseinstellungen können nochmal ca. 10 – 15% Einsparpotenzial ausmachen.

Hinweis: Regelungseinstellungen zu erhöhen, bringt in Zweirohrheizungen häufig Abhilfe bei der Wasserverteilung um Heizkörper am Strangende zu versorgen. Grund: Heizkörperthermostate schließen bei überhöhten Temperaturen eher, es verringert sich die Wasserdurchlaufmenge in den Heizkörpern. Die zu verteilende Wassermenge reicht in dem Fall aus auch die hintersten, bei normaler Regeleinstellung benachteiligten Heizkörper zu versorgen. 

Bei Einrohrheizungen nützt eine erhöhte Regelungseinstellung nichts, weil sich der Wassermengenumlauf dadurch nicht verändert.

Abrechnungsproblem bei Einrohrheizungen mit Ablesung am Heizkörper.

Einrohrheizung 3JPG

Ein erhebliches, vielerorts nicht erkanntes Problem ergibt sich in einigen Gebäuden, in denen die Wohnungsverteilleitung an anderer Stelle wie Keller oder deutlich länger als in anderen zu versorgenden Wohnungen verlegt wurde.

In meiner Sachverständigenarbeit, aber auch in vielen anderen Begutachtungen von Einrohrheizungsanlagen habe ich festgestellt, dass es in Mehrfamilienhäusern sehr häufig zu ungerechten Kostenverteilungen kommt. Ursache: Heizungsrohre haben eine erhebliche Heizleistung, insbesondere da sie meist mit nicht angepasster, zu hoher Temperatur durchströmt werden und das 24 Std. am Tag. In vielen Wohnungen reichen schon die Rohre aus, um  Wohnungen ausreichend zu beheizen. Die Verbräuche, die durch die Rohre erzeugt werden, werden in Abrechnungen nicht berücksichtigt. Diese Verbräuche gehen zu Lasten des allgemeinen Energieverbrauchs, der auf die abgelesenen Verbräuche von Heizkörpern umgelegt wird.

Das geht so weit, dass eine Wohnung, die ihre Wohnungsverteilungsrohre im Keller hat, ca. die Hälfte des Verbrauchs eines 10 Familienhaus bezahlen musste. Gutachten aus dem Jahr 2011. Diese Wohnung bekam keine Wärmeunterstützung durch die im Keller verlegten Verteilrohre. Die anderen Wohnungen profitierten erheblich von der in der Wohnung befindlichen Einrohrverteilleitung.

Diese Situation ist in vielen Fällen ein erheblicher Nachteil in Wohnungen mit geringer Wärmeabgabe über die Heizungsrohre. Abhilfe zur gerechten Abrechnung: Einsatz von Wärmemengenzählern für die einzelne Wohnung.

Wärmemengenzähler

Nun könnte man meinen, dass das Gleiche auch für Zweirohrheizungen gilt. Zweirohrheizungen haben meist ein anderes Rohrsystem und meist auch andere Temperaturen. Grundsätzlich können sich diese Probleme aber auch in Zweirohrheizungen zeigen, nur nicht mit diesen Auswirkungen. Es gibt bestimmt viele Wohnungen, in denen die Eigentümer oder Mieter nicht verstehen, warum ihre Verbräuche so hoch sind.

Kleine Gebäude.

In kleinen Gebäuden wie Einfamilienhäusern mit Einrohrheizungen bestehen ähnliche Probleme wie in großen Gebäuden, nur mit geringerer Auswirkung.

Vorteile von Einrohrheizungen.

Vorteile von Einrohrheizungen gegenüber Zweirohrheizungen gibt es aus meiner Sicht keine. In den siebziger Jahren wurden viele Einrohrheizungen gebaut um Material und damit auch Arbeitszeit zu sparen. Das hebt die erheblichen Nachteile einer Einrohrheizung gegenüber einer Zweirohrheizung bei weitem nicht auf. Auch der Einspareffekt hat sich nicht gezeigt.

Optimierung von Einrohrheizungen.

Für die Optimierung von Einrohrheizungen gibt es mehrere Möglichkeiten.

  1. Umbau auf ein hydraulisch abgeglichenes Zweirohrsystem. Diese Optimierung ist fachlich, für die Nutzerzufriedenheit und zur Energieeinsparung die beste Möglichkeit. Sie ist aber in den meisten Fällen sehr aufwendig und mit baulichen Maßnahmen verbunden.
  2. Die Anlage hydraulisch abgleichen. Dafür gibt die Möglichkeit, den Abgleich über Wohnungsabsperrventile vorzunehmen. Zur verbesserten Wasserverteilung in den Wohnungen sollten auch die Heizkörperwassermengen berechnet und zugeteilt werden. Diese Möglichkeit verbessert die Nutzerzufriedenheit. Mit größeren Energieeinsparungen ist aber kaum zu rechnen.

Ein Programm zur Berechnung des hydraulischen Abgleichs für Einrohrheizungen ist in Arbeit.

Jede Heizungsanlage mit Einrohrsystem muss einzeln betrachtet werden. Pauschal aussagen sind nicht immer Hilfreich. In dem vorgenannten Bericht sind die hauptsächlichen Probleme in Einrohrheizungen benannt. Es können durchaus auch andere Probleme gegeben sein.

Bei Bedarf einer Prüfung und Fehlersuche mit Vorschlägen zur Situationsverbesserung in Einrohrheizsystemen stehe ich gern zur Verfügung.

Ihr Bernd Wulfestieg

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