Berechnungsprogramme Hydraulischer Abgleich. Vereinfachung erforderlich um die 3-6% Energie zu sparen???

Kritik und Akzeptanz der Berechnungsprogramme

HYDRAULISCHER ABGLEICH

 

Software und Berechnung des Hydraulischen Abgleich.

Aus meiner Sicht ist eine klare und insbesondere einfach durchführbare Berechnung des hydraulischen Abgleichs dringend anzustreben. Auf dem Markt gibt es Software, die die Installateure zur Verzweiflung bringt, weil sie zu aufwendig ist und dem Wissensstand vieler Installateure nicht gerecht wird. Diese Software ist sicher nicht die Lösung, die angestrebt werden muss, um dem hydraulischen Abgleich die ihm zustehende Position in der Heizungsinstallation zu verschaffen. Die Berechnung des hydraulischen Abgleichs muss vereinfacht werden. Anzustreben sollte sein, eine Berechnung und Durchführung durch den ausführenden Monteur im Zuge eines Kesseltauschs oder anderer zum Abgleich verpflichtender Montagearbeiten.

Software.

Wenn man ansieht, was sich auf dem „Markt“ an Software befindet, ist es zum Verzweifeln. Software, die von hochkompliziert bis „ich fülle das Formular mit Buchstaben aus“ vorhanden ist. Software, die nach der Optimus Studie mit sehr viel Aufwand rechnet. Software, die als Basis die Rohrnetzberechnung hat. Software, deren Ergebnisse häufig für  Kunden und Installateure alles beinhaltet, Negatives, hin und wieder auch Positives. Gerade für den Bereich Software muss dringend eine Vereinheitlichung geschehen. Wie soll ein Installateur da noch durchfinden??? Das fängt schon mit dem Wissen oder Unwissen an, welche Bedeutung die unterschiedlichen Verfahren haben und was der Begriff Heizungshydraulik beinhaltet.

Fachregel VDZ.

Da ist das VDZ mit seiner Fachregel, die in den beschriebenen Ansprüchen zu weit ausschweift und sich nicht auf den Hydraulischen Abgleich und Heizungshydraulik beschränkt, sondern viele nicht der Hydraulik geschuldeten Probleme aufgreift. Diese Fachregel wäre sicher nützlich, wenn sie sich auf das Wesentliche, nämlich auf den hydraulischen Abgleich beschränken würde. Aus dieser Fachregel geht die Differenzierung zwischen den zwei Anforderungen, hydraulischer Abgleich Verfahren a, Standardverfahren und Verfahren b, Premiumverfahren hervor. So wie die Verfahren beschrieben sind, kann ein Abgleich nur mit erheblichem Aufwand durchgeführt werden.

Werbung der Industrie.

Als weiteres Problem muss die Werbung der Industrie gesehen werden. Auch die Werbung für voreinstellbare Ventile ist mehrfach interpretierbar. Insbesondere der Werbespruch „Automatischer Hydraulischer Abgleich“, der bei vielen Installateuren zum Einbau der Ventile ohne Heizlastberechnung führt. Dieser Werbespruch, der nur eine Befreiung der sowieso vernachlässigbaren Rohrnetzberechnung ist. Das ist für die sonst sehr hilfreichen differenzdruckunabhängigen Heizkörperventile eine irreführende Aussage (es wird unterschieden zwischen  differenzdruckunabhängigen und differenzdruckabhängigen Heizkörperventilen).

Ein Erfahrungsbeispiel.

Für die Klimaschutzagentur Hannover habe ich in den letzten Jahren im Rahmen einer Heizungsvisite  ca. 300 Ein- bis Dreifamilienhäuser zu Sparmaßnahmen durch effizienteres Heizen beraten. Ca. 100 Gebäude hatten ein relativ neues Brennwertheizgerät. In ca. 10 Gebäuden wurde angeblich die Heizung abgeglichen. In solchen Fällen lasse ich mir gern die Berechnungsunterlagen zeigen, um die Berechnung auf Übereinstimmung mit der Einstellung zu prüfen. Einige Kunden sagten, das muss nicht berechnet werden, das machen die Ventile selbst, hat der Installateur gesagt. Einige andere Kunden zeigten mir eine etwas eigenwillige, nicht nachvollziehbare Berechnung. Bei Prüfung der Ventile stellte ich fest, dass alle Ventile auf der höchsten Einstellung standen. Gerade in zwei Häusern fand ich eine korrekte Berechnung und in einem auch die berechnete Umsetzung auf die Ventile. Diese Tatsachen sollten als Denkanstoß zur Verbesserung und Vereinfachung des Abgleichs, insbesondere der Berechnung, dienen. Vermutlich sieht es Deutschlandweit noch schlechter aus.

Akzeptanz des hydraulischen Abgleichs.

Es muss etwas für die Akzeptanz des Abgleichs getan werden. Das geht nicht ohne die Installateure. Es müssen auch die wirklichen Einsparpotenziale und weiteren Vorteile einer hydraulischen Anpassung genannt werden. Die Werbeaussagen, der Hydraulische Abgleich spart viel Energie, er bringt Vorteile in allen Gebäuden durch eine bessere Wasserverteilung und es wird weniger Fließgeräusche geben sind sehr pauschal und es passiert häufig das Gegenteil. Da ist es kein Wunder, dass Installateure vor dem Abgleich und in Folge Reklamationen zurückschrecken. Es geht soweit, dass Ausschreibungen nicht zurückgesendet werden, wenn der Hydraulische Abgleich gefordert ist.

Zu Punkt 1, die Energieeinsparung 

Verfahren a ca. 3-6%. Bei Verfahren b nicht viel mehr, 3-7%. Das hört sich erst mal wenig an. Im Vergleich, um den ähnlichen Spareffekt zu erreichen, müssen alle Fenster getauscht werden. Das Einsparpotenzial ergibt sich bei Brennwertheizgeräten durch das Senken der Rücklauftemperatur zum Heizkessel (niedrige Rücklauftemperatur = hoher Brennwerteffekt). Das auch nur ohne hydraulische Weiche oder sonstige Überströmungen.

Zu Punkt 2. Die Wasserverteilung,

sie ist in kleineren Gebäuden, also bis 20 Heizkörper unerheblich. In großen Heizungsanlagen wie Schulen, Wohnanlagen oder anderen Großbauten sind bis 30% Einsparungen möglich. Das funktioniert auch nach Verfahren a sogar sehr einfach über voreinstellbare Rücklaufverschraubungen. Die Erklärung warum das so ist, ist ein längeres Thema. Da verweise ich auf meinen Blog.

Zu Punkt 3. Fließgeräusche.

Die Praxis hat gezeigt, dass voreinstellbare Heizkörperventile eher Fließgeräusche verursachen als die Ventile ohne Voreinstellung. Es sind durch den Abgleich Potenziale vorhanden. Sie müssen aber richtig benannt werden. Es geht nicht, dass der Endkunde nach Einbau neuer Ventile ein Geräuschkonzert hat. Dass er plötzlich seine Räume nicht mehr nach seinen Wünschen beheizen kann. Dass er am Jahresende höhere Heizkosten als vor dem Abgleich hat.

Anpassung.

Ich plädiere dafür, die Berechnung hydraulischer Abgleich praxisnah und einfach zu gestalten. Es kann nicht sein, dass ein Installateur Gedankengänge von Theoretikern, die in der Theorie sinnvolle Sachen erarbeiten, diese in der Praxis aus vielen Gründen häufig nicht umgesetzt werden können. Ich sag`s mal am Beispiel eines Meisters, der Heizungen und Sanitäranlagen installiert, zwei unterschiedliche Berufe in denen er perfekt sein sollte. Dieser Meister und seine Monteure haben einen riesigen Arbeitsbereich. Heizungen planen, dazu gehört die Heizlastberechnung, Rohrnetzberechnung. Das Handwerkliche. Regeltechnik und Elektronik. Elektroinstallation, das Wissen und beachten aller Vorschriften. Die gleiche Perfektion bei ähnlichem Umfang wird auch im Sanitärbereich erwartet. Welcher Ingenieur oder anderer Hochschulabsolvent hat einen solchen Berufsbereich abzudecken? Aus dem Grund müssen Dinge wie zum Beispiel der Hydraulische Abgleich vereinfacht werden, ohne dass sie an Wirkung verlieren.

Gern bringe ich meine Praxiserfahrung aber auch meine Theorieerfahrung mit ein.

 Sachverständigen- und Energieberatungsbüro

Bernd Wulfestieg

 Sachverständiger im Installateur – und Heizungsbauerhandwerk.

Heizungsbau-und Sanitärmeister

Zertifizierter Energieberater HWK.

Berater der Klimaschutzagentur Hannover.

Autor von Fachbüchern, Fachliteratur und Software.

 Auszug zu meiner Erfahrung mit Anlagenhydraulik:

Das Erste, was ich der Lehre zum Heizungsmonteur gelehrt, bekam ist Anlagen- oder Heizungshydraulik, Bedeutung und Berechnung von Wasserumlaufmengen.

 Meine erste gezielte Optimierung von Heizungsanlagen habe ich mit meinem Betrieb 1985 in 5 Wohnanlagen und 6000 Heizkörperventilen durchgeführt. Durchgeführt ohne Raumheizlastberechnung, mit pauschal raumangepassten Ventilkegeln zur Durchflussreduzierung. Dadurch wurde erheblich Pumpenstrom durch Pumpenanpassung (in einem Gebäude Reduzierung von 3000 Watt auf 600 Watt) und 35% Heizenergie eingespart.

 Die erste Berechnung und Optimierung mit dem damals neuen Namen Hydraulischer Abgleich habe ich 2000 in einem 46 Familienhaus beim Umbau auf Fernheizung durchgeführt.

 Die ersten Schulungen mit dem neuen Namen für eine alte Sache, Hydraulischer Abgleich habe ich 2004 gegeben.

 Meine erste Lektüre Hydraulischer Abgleich kam 2005 heraus.

 Meine erste App hydraulischer Abgleich wurde 2016 veröffentlicht.

An meiner Hydrauliktestwand prüfe ich seit 2012 die Wassermengendurchflüsse von Ventilen (mit erstaunlichen Ergebnissen), zeige Pumpenfunktionen und vieles mehr.

 Zur Information, Heizung besteht nicht nur aus Hydraulikthemen. Die technischen Themen im Heizungsbau sind vielfältig. Hydraulik ist ein wichtiger Teil davon.

 

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