Heizenergie Sparen / CO2 vermeiden. Nachtabsenkung abschalten!!!!??? Behaglichkeit erhöhen.

Ist die sogenannte Nachtabsenkung von Heizungen sinnvoll oder vielleicht sinnlos????

Ich fange einfach mal mit meiner Erfahrung in meinem Haus an.

1987 haben wir das Haus, einen Bungalow Baujahr 1974, 115 m² Wohnfläche, Kaltdach Einblasdämmung nach dem Einzug, Außenwände aus Lochziegeln, gekauft. Vor dem Einzug habe ich die Heizung saniert. Zum Einbau kam ein zu der Zeit moderner atmosphärischer Niedertemperaturkessel des Herstellers Buderus. Heizleistung 15 KW als kleinster zur Verfügung stehender Heizkessel. Für die Warmwasserbereitung wurde ein 150 l Speicher mit Vorrangschaltung an dem Heizkessel angeschlossen.

Heizkurveneinstellung: 75/55 Parallelverschiebung 10°C, das bedeutet, dass die Vorlauftemperatur zu den Heizkörpern bei 5°C außen ca. 60°C beträgt.

Nachtabsenkung: eingestellt auf 23 Uhr – 6 Uhr und wochentags von 8 Uhr – 14 Uhr. Zusätzlich habe ich noch zeitgesteuerte Heizkörperthermostate genutzt, damit die Raumtemperatur auch wirklich, auf ca 18°C, abgesenkt wurde.

Beheizt wurde und wird noch heute das gesamte Haus mit Raumtemperatur zwischen 22 – 24°C.

Jahresgasverbrauch zu der Zeit 29.000 – 31.500 kWh.

Wir haben an kalten Tagen viel gefroren, obwohl ich die Heizung immer höher gestellt habe. Teilweise abends bis 26°C Raumtemperatur. Heizkurve auf 90/70. Hat nichts genützt, es blieb kalt und unbehaglich, insbesondere die Füße blieben eisig.

Nutzungsänderung.

Es war wohl das Jahr 1999, als ich die Nase von dem ewigen frieren voll hatte und beschloss, einen Winter durch zu experimentieren. Ich nahm sämtliche Absenkungen und zeitgesteuerte Heizkörpertermostate heraus. Die Heizkurve stellte ich auf 55/40 ein. Das bedeutete, die Vorlauftemperatur sank bei 5°C außen auf ca. 36°C ab. Danach habe ich mich in Geduld gefasst. Nach ca. 4 Tagen betrug die Raumtemperatur 22,5°C. Die Temperatur der Außenwände innen betrug 21°C, also keine Luftbewegung mehr an der Wand. Die Heizkörperthermostate wurden nicht mehr angefasst, sie blieben auf der Einstellung 4-6 stehen. Im gesamten Haus herrschte durchgängig, ohne Absenkung, eine gleichmäßige Wärme von 22-23°C. Die Behaglichkeit im gesamten Haus war hervorragend. Ich konnte, egal bei welchen Außentemperaturen, ohne Strümpfe und nur mit T-Shirt im Haus sitzen.

Gespannt mit einem unguten Bauchgefühl erwartete ich die Jahresabrechnung Gas. Ich vermutete, dass der Verbrauch deutlich gestiegen ist.

Die erste Jahresabrechnung nach der Umstellung ergab einen Gasverbrauch von 24.100 kWh.

Ich hatte solch ein Ergebnis erhofft, aber nicht erwartet. Nun musste ich mich auf die Suche nach der Ursache dieser extremen Verbrauchsminderung und Behaglichkeitsverbesserung machen.

Zur Ursache der geringen Behaglichkeit und des sehr hohen Verbrauchs:

  1. Behaglichkeit: um sich in einem Raum behaglich zu fühlen, müssen einige Kriterien erfüllt sein.
    1. Die Raumtemperatur muss stimmen, in der Regel sollte sie um 22°C betragen.
    2. Der genauso wichtige Punkt zur Behaglichkeit sind Luftbewegungen im Raum. Befindet man sich in einem Raum mit 0 Luftbewegung, können schon 21°C behaglich sein.
    3. Wo befinden sich Luftbewegungen im Wohnraum, obwohl kein Durchzug herrscht? Sie befinden sich an den Stellen, an denen ein Temperaturunterschied besteht.
      1. Beispiel: Außenwandtemperatur 16°C, Lufttemperatur innen 23°C. An der Wand ist eine erhebliche Luftbewegung und es fühlt sich in manchen Fällen an, als ob die Wand undicht ist.
      2. Heizkörper verursachen sehr hohe Luftgeschwindigkeiten, ohne Luftzirkulation würde ein normaler Heizkörper nicht korrekt funktionieren. Das Problem dabei, hohe Heizkörpertemperaturen beschleunigen die Luft und es kann sich anfühlen wie ein fußkalter Boden. Schuld ist das Ansaugen der Zuluft zum Heizkörper. Hohe Heizkörpertemperaturen wirbeln somit auch Staub auf, der Staub verschwelt und es ensteht der sogenannte Foggingeffekt. Bei hohen Heizkörpertemperaturen ist die Raumluft belastet.
  2. Energiesparen: bei atmosphärischen Niedertemperaturheizkessel: dazu muss man sich die Konstruktion des atmosphärischen Niedertemperaturkessels ansehen. Detailbeschreibung und Verlustursache im Blogbeitrag „Energieverluste atmosphärischer Niedertemperaturkessel“ .  Hauptursache für die hohen Verluste sind die sogenannten Stillstands- oder Vorhalteverluste. Diese Verluste entstehen, wenn der Brenner im Kessel nicht brennt. Das bedeutet, hohe Kesseltemperatur gleich hohe Luftdurchströmung durch den Kessel mit der Mitnahme der Kesselwärme durch den Schornstein. Der Verlust durch die Luftgeschwindigkeit durch den Heizkessel erhöht sich mit der Kesseltemperatur. Es kommen zwei Verlustpunkte zusammen. Hohe Luftgeschwindigkeit und hohe Temperaturen vervielfachen den Wärmeabgang über den Schornstein. Eine weitere Verlustursache ist ein zu großer Heizkessel, durch die Übergröße verringern sich die Brennerlaufzeiten und die Stillstandszeiten werden länger. Niedrige Kesseltemperaturen verringern auch die die Wärmeabgänge über die Kesseloberfläche.

Ein kleiner Spruch am Rand: Heizkörperventile schließen und den Kessel auf hoher Temperatur laufen lassen ist genau so wie Fahren mit Vollgas auf der Autobahn und die Geschwindigkeit mit der Bremse anpassen.

Ausnahmen

Natürlich ist die Nacht- oder sonstige Absenkung nicht immer Negativ wie sie auch nicht immer Positiv ist. In Beispiel Schulen ist der Wohnkomfort nicht im Vordergrund, die Kesselanlagen müssen sowiso im höheren Bereich gefahren werden. Ebenso in Wohnanlagen und Büroanlagen sollte und muss zum Energiesparen abgesenkt werden. Das ist auch von den Nutzungszeiten abhängig. Auch Gebäude wie z.B. Fertighäuser mit leichten Wänden die sich schnell aufheizen sollten angepasst abgesenkt werden.

Brennwertumbau

Nach Umbau 2004 auf einen Brennwertkessel mit allen erforderlichen Optimierungen sank der Verbrauch auf ca. 14.500 kWh im Jahr. 

Fotos der jetzigen Situation mit Brennwertgerät

In den Fotos zeige ich wie in unserem Haus geheizt wird und die Auswirkungen um an die beschriebenen 14.500 kWh/a zu kommen.

Foto zeigt die Situation, Außentemperatur 4,8°C, 23,3°C Innen.

20190504_072933

Das zur selben Zeit aufgenommene Foto zeigt die Kessel- oder Vorlauftemperatur zu den Heizkörpern. Sie befindet sich mit 38°C Vorlauf und 28°C Rücklauf im allerbesten Brennwertbereich. Mit Nachtabsenkung würde sich die Temperatur im Bereich von ca. 58 – 60°C befinden. Rücklauf bei ca. 45°C also kein optimaler Brennwertbereich.

20190504_072954

Im folgenden Bild ist die Außenwandtemperatur Nordseite, ungedämmt mit 22,4°C zu sehen. Das zeigt das die Temperatur nahe der Raumtemperatur ist und somit wenig Luftbewegung entsteht. Das kann nur erreicht werden wenn die Raumtemperatur langfristig auf Wohnraumlevel gehalten wird.

20190504_072623

Fazit.

In dem von mir erlebten Fall zeigt sich, dass ein Kesseltausch auf die ausgereifte Brennwerttechnik den Energieverbrauch halbieren kann. Das bedeutet auch, dass der CO2 Eintrag in unserem Haus um ca. 3,5 Tonnen durch Anlagenoptimierung und Abschaltung der Absenkung für ca. 5.000€ gemindert wurde.

Die Heizflächen wurden 1974 nach 90/70 ausgelegt und nicht vergrößert.

Warmwasser

Warmwasser wird nur einmal Täglich und das in der Nacht auf 60°C aufgeheizt. Zirkulation wurde bei der Badsanierung zurückgebaut. Das einmalige Aufheizen reicht aus um die Warmwasserversorgung für den Tag zu gewährleisten. Durch das einmal tägliche aufheizen auf 60°C ist eine Legionellenvermeidung gegeben.

Eine Solarthermieanlage mit 4,8m² Solarfläche erzeugt zusätzlich ca. 1.600 – 1.800 kWh Wärme für die Warmwasseranlage. Die Nachheizung für die Warmwassererzeugung über die Brennwertanlage beträgt ca. 2.000 – 2.200 kWh im Jahr.

Weitere Einsparungen können in diesem Haus nur noch mit Gebäudedämmung oder Komfortminderung erreicht werden. Die Wärmeerzeugung ist, so wie jetzt, Optimal.

Ihr Bernd Wulfestieg

Veröffentlichen oder anderer Gebrauch der Texte in Gänze oder in Ausschnitten nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors. Der Text ist geistiges Eigentum des Autors.

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.